Wie entsteht ein offenes Bein (Ulcus cruris)?

Das offene Bein ist die schwerwiegendste Ausprägung einer chronisch-venösen Gefäßerkrankung. In Rahmen eines Krampfaderleidens oder häufig als klinisches Hauptsymptom eines postthrombotischen Syndroms entsteht eine venöse Stase mit Erhöhung des Drucks auf die Venenwände. Durch den zunehmenden Druck erweitern sich die Venen, so dass die Venenklappen nicht mehr funktionsgerecht schließen können – es bilden sich Krampfadern.

Eine konsequente Kompressionstherapie in Form von Kompressionsverbänden oder medizinischen Kompressionsstrümpfen ist die erste und wichtigste physikalisch-therapeutische Basismaßnahme in der Behandlung.
Eine konsequente Kompressionstherapie in Form von Kompressionsverbänden oder medizinischen Kompressionsstrümpfen ist die erste und wichtigste physikalisch-therapeutische Basismaßnahme in der Behandlung.

Manchmal sind Krampfadern auch aufgrund einer Thrombose in den tiefen Venen entstanden. Etwa 80 Prozent des Blutes sollte über das tiefe Venensystem zum Herzen zurückgeführt werden, aber weil die Hauptvene verstopft ist, sucht sich das Blut nun einen Umweg über die Oberflächenvenen. Diese werden mit der Zeit überlastet und sacken aus. Die Konsequenz sind sekundäre Krampfadern. Es kommt zu Schmerzen, Ödemen und Hautveränderungen. Die Haut wird unzureichend mit Nährstoffen versorgt, Hautzellen sterben ab. Die Haut wird dünn und glänzend wie Pergamentpapier, und schließlich bricht sie auf – es entwickelt sich ein offenes Bein.

Wie wird ein offenes Bein behandelt?

Die Diagnose ist primär klinisch zu stellen, aber eine gründliche Messung der Arterien und Venen ist notwendig, um die genaue Ursache des „offenen Beines“ richtig zu erkennen. Es muss jedem Patienten klar gemacht werden, dass ein „offenes Bein“ mit Salben und Tinkturen allein nicht abheilt, erst recht nicht, wenn der Patient sich dabei noch ins Bett legt.

Die erste und wichtigste physikalisch-therapeutische Basismaßnahme ist unbestritten die konsequente Kompressionstherapie in Form von Kompressionsverbänden oder medizinischen Kompressionsstrümpfen – der Druck, der durch Kompressionsstrumpf bzw. Verband ausgeübt wird, beschleunigt den Rückfluss des venösen Blutes. Erst wenn das Ödem abgeklungen ist und der venöse Abfluss im Bein wieder einen kompensierten Zustand erreicht hat, kann das Geschwür abheilen. Darüber hinaus müssen Sie selbst aktiv werden und Ihren Arzt unterstützen – Bewegung ist unerlässlich! Bewegen Sie sich so viel wie möglich, auch wenn es mal ein bisschen weh tut. Die Muskulatur der Beine verstärkt den Druck auf die Venen, so dass das darin fließende Blut schneller abtransportiert werden kann.

Je nach Zustand und Ausprägung Ihres Ulcus werden Lymphdrainagen verschrieben. Auch sie unterstützen den venösen Blutstrom und regen das Lymphsystem zum Abtransport von Gewebsflüssigkeit und Stoffwechselschlacken an. Sollte das Geschwür trotz intensivster Therapie nach drei Monaten nicht abgeheilt sein, wird manchmal auch eine Operation notwendig, die aber in der Regel unter stationären Bedingungen erfolgen muss.

 

 

Die aktuelle Leitlinie zum „offenen Bein“ finden Sie unter:
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/037-009.html