Das Raynaud-Sydrom („Kalte Hände und Füße“)

Hände und Füße immer gut warmhalten! Das hilft einer Attacke vorzubeugen.

Kälte und Nässe sind immer unangenehm. Doch manchen Menschen setzten sie besonders zu: Sie lassen ihre Finger gefühllos und weiß werden. Dahinter steckt das sogenannte Raynaud-Syndrom, im Volksmund auch Weißfingerkrankheit genannt. Dabei handelt es sich um eine funktionelle Durchblutungsstörung.

Auslöser wie Kälte oder emotionaler Stress sorgen dafür, dass sich arterielle Gefäße in den Fingern krampfartig zusammenziehen. Seltener passiert das auch in den Zehen, den Ohren oder der Nase. Der Blutfluss ist eingeschränkt, die betroffenen Stellen werden weiß. Später verfärben sie sich blau und am Ende schließlich rot, wenn das Blut wieder normal strömt.

Die häufigere aber nicht weiter gefährliche Form ist das primäre Raynaud-Syndrom. Eine auslösende Grunderkrankung liegt in diesem Fall nicht vor; die genaue Ursache ist bis heute unklar. Betroffen sind vor allem Frauen zwischen 20 und 40 Jahren. Sie sind fünfmal häufiger von der Weißfingerkrankheit betroffen als Männer. Hautveränderungen und Hautschäden bleiben selbst nach mehreren Raynaud-Anfällen in aller Regeln nicht zurück.

Welche Symptome treten beim Raynaud-Syndrom auf?

Auslöser für die Beschwerden sind meist Kälte, Nässe, Stress und seelische Belastungen. Die Finger beider Hände (beim primären Raynaud-Syndrom, beim sekundären ist meist nur eine Seite betroffen), mit Ausnahme der Daumen, manchmal auch die Zehen, werden plötzlich kalt und blass, dann verfärben sie sich blau und schließlich rot. Der Anfall kann einige Minuten bis zu einer halben Stunde dauern und mit Schmerzen und Taubheitsgefühlen verbunden sein. Es bleiben keine Hautveränderungen oder -schäden zurück.

Beim sekundären Raynaud-Syndrom stellen sich mitunter, je nach Grunderkrankung, auch dauerhafte Schmerzen ein sowie Hautschäden an Fingern oder Zehen. Die Rotfärbung kann dann auch ausbleiben.

Kann es ein Hinweis auf schwere Erkrankungen sein?

Weiße Finger können aber auch ein Hinweis auf eine schwerere Krankheit wie Sklerodermie, Lupus erythematodes oder rheumatische Arthritis sein. Man spricht dann vom sekundären Raynaud-Syndrom. In diesem Fall kann es zu dauerhaften Schmerzen und Gewebeschäden kommen, die – je nach Schwere – die Amputation ganzer Finger nach sich ziehen.

Wie wird das sekundäre Raynaud-Syndrom diagnostiziert?

Mithilfe einer Blutuntersuchung lassen sich Grunderkrankungen erkennen. Um abzuklären, ob ein primäres oder sekundäres Raynaud-Syndrom vorliegt, können wir die Blutgefäße an der Nagelfalz untersuchen und so mögliche Auffälligkeiten erkennen. Liegen Einblutungen vor, verlaufen die Kapillaren unregelmäßig oder sind sie stark vergrößert, kann das ein Hinweis auf eine systemische Sklerose sein. Ergeben sich hier Auffälligkeiten, folgt eine Ultraschalluntersuchung. Das beste Mittel, um eine mögliche Grunderkrankung zu erkennen, ist aber die Blutuntersuchung. Erst nach ihr lässt sich eindeutig sagen, ob das primäre oder das sekundäre Raynaud-Syndrom vorliegt.

Wie kann ich Raynaud-Attacken vorbeugen?

Raynaud-Attacken können wenige Minuten bis mehrere Stunden dauern. Da es bis heute keine ursächliche Therapie gibt, müssen Weißfinger-Patienten versuchen, die Frequenz der Anfälle zu verringern. Am besten gelingt das, indem sie Kälte und Nässe meiden. In schwereren Fällen helfen außerdem gefäßerweiternde Medikamente und Salben. Rauchen ist für Betroffene absolut tabu, weil Nikotin die Gefäße zusätzlich verengt. Liegt ein sekundäres Raynaud-Syndrom vor, steht die auslösende Grunderkrankung im Fokus der Behandlung. Je besser deren Therapie verläuft, desto seltener leiden Patienten unter Raynaud-Anfällen.

Welche Therapien gibt es?

Diagnose

Der Arzt wird Gefäßerkrankungen wie eine arterielle Durchblutungsstörung ausschließen. Nach der Krankengeschichte geben eine Reihe von Tests Hinweise. Aufschlussreich sind dann die sogenannte Kapillarmikroskopie, bei der der Arzt die feinsten Gefäße am Nagelfalz oder an den Zehen unter mikroskopischer Sicht betrachtet, ebenso Ultraschalluntersuchungen, Bluttests sowie gegebenenfalls Untersuchungen wichtiger Organe.

Therapie

Liegt eine Grunderkrankung vor, ist die Behandlung darauf ausgerichtet. Wichtig für Menschen mit einem Raynaud-Syndrom ist es, sich vor Kälte und Nässe gut zu schützen. Neben extra wärmenden Handschuhen und Schuhen, setzen viele Taschenwärmer ein. Zudem gilt es, alles zu vermeiden, was die Gefäße schädigen kann, insbesondere das Rauchen, ebenso Arbeiten mit vibrierenden Geräten. Erfolgreich können dazu Entspannungsmethoden wie Autogenes Training oder Biofeedback sein. Als Medikamente kommen mitunter Kalziumantagonisten infrage, oder bei schwereren Verläufen auch Mittel, die die Ärzte bei Gefäßerkrankungen wie der pAVK (siehe dort) einsetzen.

Was ist eine Akrozyanose (Blau-Rot-Sucht)?

Fehlregulationen im vegetativen Nervensystem oder in hormonellen Vorgängen sind Ursache dieser in der Regel harmlosen Gefäßstörung, an der vorwiegend sehr junge Frauen mit niedrigem Blutdruckleiden erkranken. Die Erkrankung vergeht oft nach einiger Zeit von selbst, kann sich aber nach den Wechseljahren wieder einstellen. Als Risikofaktoren gelten Rauchen, Verhütungsmittel oder bestimmte Bluthochdruckmittel.

Symptome

Finger und Zehen, oft auch Nase und Ohren verfärben sich blaurot, sind kalt und feucht und sehr kälteempfindlich. Die Verfärbungen gehen zurück, wenn man mit dem Finger darauf drückt. Lässt man los, bauen sie sich von außen nach innen wieder auf. Die Verfärbungen treten nicht anfallsartig auf und sind meist nicht schmerzhaft. Es entwickeln sich auch keine Gewebsschäden an den betroffenen Stellen. Krankengeschichte und die typischen Beschwerden geben dem Arzt die entscheidenden Hinweise. Er wird die Akrozyanose mit geeigneten Untersuchungen, wie etwa einer Kapillarmikroskopie, von anderen Gefäßschäden abgrenzen. Für die Therapie ist es wichtig, schädliche Faktoren wie das Rauchen aufzugeben, sich gut vor Kälte zu schützen. Wechselbäder können helfen, den Kreislauf anzuregen und dem Blutniederdruck entgegenzuwirken.

Es gibt noch weitere Störungen, bei denen die Blutgefäße in Händen und Füßen insbesondere auf Kälte- oder Nässereize reagieren. Die Kennzeichen einer aus unterschiedlichen Gründen gestörten Gefäßregulation, etwa bei den landläufig Frostbeulen genannten Pernionen, können Hautverfärbungen, Schmerzen sowie Schwellungen und auch Gewebeschäden sein.

 

Die aktuelle Leitlinie zum Raynaud-Syndrom finden Sie unter:
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-060.pdf