Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist eine chronische und meist fortschreitende Erkrankung bei Frauen, die durch eine Fettverteilungsstörung gekennzeichnet ist. Diese Fettverteilungsstörung entsteht aufgrund einer symmetrischen Unterhautfettgewebsvermehrung und betrifft überwiegend die unteren, gelegentlich auch die oberen Extremitäten. Außerdem besteht eine Neigung zu orthostatischen Ödemen sowie zu einer schnellen Bildung von Blutergüssen schon bei geringem Druck sowie eine deutliche Berührungsempfindlichkeit. Im fortgeschrittenen Stadium kann sich zusätzlich ein lymphostatisches Ödem ausbilden (Lipo-Lymphödem).

Wer kann ein Lipödem bekommen?

Die Krankheit tritt ausschließlich bei Frauen auf und häufig zwischen dem 30. und 40. Lebnsjahr. Besonders auffällig ist dabei – insbesondere wenn es sich um Normalgewichtige handelt – ist das Missverhältnis zwischen schlankem Oberkörper und voluminöser unterer Körperhälfte aufgrund der beschriebenen Vermehrung des Unterhautfettgewebes. Da häufig mehrere weibliche Mitglieder einer Familie betroffen sind, wird von einer genetischen Disposition ausgegangen. Die Veränderungen treten immer symmetrisch auf. Sie können vom Beckenkamm bis zu den Sprunggelenken reichen, aber auch isoliert nur Ober- oder Unterschenkel bzw. Ober- und Unterarm betreffen.

Das Lipödem wird in 5 Typen unterschieden.

  • Typ I: Fettgewebsvermehrung im Bereich von Gesäß und Hüften.
    (Reiterhosenphänomen)

  • Typ II: Das Lipödem reicht bis zu den Knien, Fettlappenbildungen im
    Bereich der Knieinnenseite.

  • Typ III: Das Lipödem reicht von den Hüften bis zu den Knöcheln.

  • Typ IV: Arme und Beine sind bis zu den Handgelenken/Knöcheln,
    also mit Ausnahme der Füße und Hände, betroffen.

  • Typ V: Lipolymphödem mit vermehrter Wassereinlagerung in Hand-
    und Fußrücken sowie Fingern und Zehen.

Welche Symptome sind damit verbunden?

Die Betroffenen können sich in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt fühlen. Dies ist einerseits Folge des Aussehens, d.h. der Volumenzunahme und der Disproportion zwischen Oberkörper und unterer Körperhälfte, andererseits leiden die Betroffenen – insbesondere bei warmem Wetter, nach längerem Stehen bzw. Sitzen sowie am Abend – aufgrund der Ödeme an einem Spannungsgefühl mit Berührungs- und Druckschmerzhaftigkeit. Die Schmerzen werden überwiegend als dumpf, drückend und schwer beschrieben. Krankheitstypisch ist ferner eine Neigung zu Hämatomen nach Bagatelltraumen.

 

Kann ein Lipödem plötzlich auftreten?

Das Lipödem kann spontan auftreten oder sich im Laufe von Jahren aus einer Lipohypertrophie entwickeln. Unbehandelt nimmt das eiweißreiche Ödem in der Regel zu. Im Laufe von Jahren und Jahrzehnten kann sich aufgrund der Fibrosierung der Lymphgefäße ein sekundäres Lymphödem entwickeln. Zusätzlich kommt es zu einer weiteren Vermehrung des Fettgewebes an den betroffenen Stellen, teilweise auch am Stamm. Klinisch kann das Lipödem in drei Schweregrade eingeteilt werden:

Stadium I: Hautoberfläche glatt, Unterhaut verdickt, Fettstruktur feinknotig.
Stadium II: Hautoberfläche uneben, Fettstruktur grobknotig.
Stadium III: Gewebe zusätzlich derber und härter, großlappig deformierende Fettlappen.

Wie wird ein Lipödem diagnostiziert?

Die Diagnosestellung erfolgt mittels Anamnese, Inspektion sowie Abtasten. Charakteristisch sind zum einen der Zeitpunkt des Auftretens sowie das typische Erscheinungsbild

  1. mit relativ schlankerem Ober- und unproportional kräftigem Unterkörper,
  2. Ödemneigung,
  3. Hämatomneigung sowie
  4. Schmerzhaftigkeit spontan sowie bei Berührung.

Welche Therapiemöglichkeiten haben betroffene Frauen?

Kompressionsstrümpfe sind heute im Fachhandel in vielen modischen Farben erhältlich.

Da die eigentliche Ursache des Lipödems unbekannt ist, gibt es keine eigentliche kausale Behandlung. Körperliche Aktivitäten können zwar das Übergewicht reduzieren, nicht aber die disproportionale Fettvermehrung an den unteren Extremitäten; dasselbe gilt für Abmagerungskuren und spezielle Diäten. Eine Diuretikatherapie zur Beseitigung der Beinödeme ist nicht indiziert. Prinzipiell sollte eine Gewichtszunahme vermieden bzw. Normalgewicht angestrebt werden, da Übergewicht ein Risikofaktor ist.

Das Ziel der Therapie besteht zum einen in der Beschwerdebesserung/-beseitigung durch Ödemreduzierung mittels konservativer Maßnahmen und zum anderen in der Reduktion des Fettgewebes mittels operativer Verfahren.

Zur Ödemreduktion werden physikalische Maßnahmen in Form der komplexen bzw. kombinierten physikalischen Entstauungstherapie (KPE) eingesetzt. Hinzu kommen Kompressionsverbänden oder medizinische Kompressionsstrümpfe eine gezielte und konsequente Bewegungstherapie sowie eine gute Hautpflege.

Mit den physikalischen Maßnahmen können Minderungen der Beinvolumina in der Größenordnung bis 12 Prozent erzielt werden. Durch die Kompressionsbehandlung soll der Erfolg der nur vorübergehend wirkenden manuellen oder apparativen Entstauung möglichst lange gehalten werden.

Eine Reduktion des krankhaft vermehrten Fettgewebes ist damit jedoch nicht möglich. Hierzu wird das operative Verfahren der Liposuktion/Absaugen in Tumeszenz-Lokalanästhesie eingesetzt. Bei der Liposuktion des Lipödems sind meist deutlich größere Fettmengen zu entfernen als bei kosmetischen Operationen.

Klinische Untersuchungen nach bis zu 8 Jahren ergaben bei allen Patientinnen eine deutliche Verbesserung des Befundes in Bezug auf Körperform und Beschwerden; in keinem Fall war es zu einer Verschlimmerung der Ödeme gekommen.

 

Die aktuelle Leitlinie zum Lipödem finden Sie unter:
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/037-012.html